"Ruhmreich, aber vergessen" unter dieser Rubrik möchten wir in unregelmäßigen Abständen über längst vergessene Rennstrecken berichten.

Circuit Spa Francorchamps 1921-1978

         
Die alte Ardennen-Rennstrecke von Spa-Francorchamps, die 1921 mit einem Motorradrennen eröffnet wurde, war eine Strecke die aus sonst öffentlichen Landstraßen bestand, einem Dreieckkurs zwischen den Ortschaften Malmedy, Stavelot und Francorchamps. Sie war ultra schnell, aber Aufgrund der fehlenden Sicherheitszonen, man bedenke nur die Häuser, Lichtmasten und Kilometersteine, die hier direkt neben der Strecke zu finden waren, nicht unumstritten. Auch das launenhafte Wetter machte Spa oft zu einem lebensgefährlichen Schauplatz.
Durch die Streckenlänge war es möglich, dass bei Start-und Ziel die Sonne schien, während es einige Kilometer weiter in Strömen regnete. Das konnte die Verzauberung der herrlich gelegenen Rennstrecke in einen Alptraum umwandeln, einen Tatsache die viele Rennfahrer mit ihrem Leben bezahlt haben.Aber vielleicht gerade deshalb ist der Circuit Spa-Francorchapms bis heute ein Heiligtum des Motorsports und gehört zu den traditionsreichsten Rennstrecken in der Welt. 1969 wurde die Rennstrecke wegen gravierenden Sicherheitsmängeln nicht mehr in den Terminkalender der Formel1 aufgenommen.

Umbauarbeiten an der Boxengasse und die Verbreiterung der abschüssigen Passage konnte die Formel1 auch 1970 nicht zu einer Rückkehr in die Ardennen bewegen. So entschloss man sich die alte Rennstrecke etwa um die Hälfte zu verkürzen. Und obwohl der komplette Hochgeschwindigkeits-Abschnitt durch Burneville, Malmedy, Masta und Stavelot dem Umbau zum Opfer fiel, hat man es geschafft den einmaligen Charakter der Rennstrecke nahezu zu erhalten. Nur mit den Wetterkapriolen in den Ardennen haben die Veranstalter auch heute noch ihre liebe Mühe.
Bilder zur Strecke finden Sie in unserer Galerie: Ruhmreich, aber vergessen
Text & Foto: M.Muhr

Okt.2010


         

Rouen-Les Essarts

         

Wie im letzten Jahr, als wir auf dem Weg zum 24 Stunden-Rennen von Le Mans die ehemalige Rennstrecke von Reims besuchten, haben wir in diesem Jahr im Dèpartement Seine-Maritime die einstiege Rennstrecke von Rouen-Les Essarts im Nordwesten Frankreichs besucht.
Rouen-Les Essarts war zwischen 1950 bis 1993 Austragungsort zahlreicher nationaler und internationaler Rennveranstaltungen. Fünf Mal wurde auf der Strecke der Große Preis von Frankreich gefahren, aber auch für Läufe zur Motorrad-WM und zur Formel 2 und Formel 3 Europameisterschaft wurde das Asphaltband zwischen den Ortschaften Rouen, Les Essarts und Orival genutzt.
Die Strecke bestand wie viele Rennstrecken zu dieser Zeit aus öffentlichen Straßen. Nachdem 1949 zwischen den Orten Orival und Les Essarts eine Verbindungsstrasse durch ein Waldgebiet gebaut worden war, beantragte der in Rouen ansässige ACN (Automobilclud Norand) eine Nutzung der Straße für Motorsportzwecke bei der zuständigen Verwaltung. Nach Erteilung einer Genehmigung stellte der ACN 1950 einen 5,1 km langen Kurs bestehend aus der Verbindungsstraße, anderen Landstraßen und der Route Nationale 840 vor. Den Namen erhielt der Kurs von den nahe gelegenen Ortschaften Rouen und Les Essarts.
Start und Ziel der Strecke befanden sich kurz vor einer Bergabpassage die in schnellen Kurvenkombinationen zur Kurve Nouveau Monde, einer Haarnadelkurve in der Nähe der Ortschaft Orival führte. Danach führte ein Anstieg der Strecke mit einer Kombination aus mittelschnellen Kurven und einer langen Geraden, die in einem scharfen Rechtsknick endete, zurück zum Start und Zielbereich, mit Fahrerlager, dem Boxenbereich und dem Starterturm.
Nachdem 1954 die Formel 1 zum vorerst letzten Mal zu einem nicht zur WM zählenden Grand Prix auf der Strecke in der Region Haute-Normandie angetreten war, entschlossen sich die Betreiber der Strecke zu einer Verlängerung des Circuit Rouen-Les Essart.

1956 zeigte sich die Strecke mit einem veränderten Layout und einer Länge von 6,542km. Sie wurde nun auch für Sportwagenveranstaltungen genutzt und ab 1957 kehrte auch die Formel 1 noch viermal zurück auf den Straßenkurs.
Wie alle Straßenkurse dieser Zeit, auf denen fehlende Auslaufzonen wenig Sicherheit boten, ging es auch bei den Hochgeschwindigkeitsschauspielen auf der Strecke von Rouen nicht nur um Siege, sondern oft auch um Leben und Tod. Fünf Todesfälle mussten die Veranstalter im Laufe der Zeit beklagen. Prominenteste Opfer der Strecke waren der während des Formel 1 Grand Prix 1968 in der schnellen bergab Passage tödlich verunfallte Franzose Jo Schlesser und der schottische Rennfahrer Gerry Birrell der während des Formel 2 Laufs am 24.Juni 1973 sein Leben lassen musste.

Im Training zum Formel 2 Rennen verlor Birrell in der Virage des Six Frères die Kontrolle über seinem Chevron-Ford BDA/Hart und fuhr geradeaus in die Leitplanken. Die Metallschienen verbogen sich bei dem harten Anprall des Boliden, gaben nach und das Auto rutschte unter der Absperrung hindurch. Birrell hatte nicht den Hauch einer Chance und war auf der Stelle tot.
Nachdem 1980 das letzte Formel 2 Rennen in Rouen stattgefunden hatte, endete auch die internationale Bedeutung der Strecke. Zwar gastierten noch bis 1993 kleinere nationale Rennserien auf der Rennstrecke, aber auch hier wurden die Durchschnittsgeschwindigkeiten immer höher, sodass auch diese Serien auf die inzwischen viel sicheren permanenten Rennstrecken auswischen.
Danach verfielen die Anlagen der Rennstrecke mehr und mehr und wurden bis 1999 abgerissen und beseitigt.
         
Text: Manfred Muhr

Juni 2008


         

Die Steilkurven von Monza

         

Auf der im Park der Villa Reale gelegenen Rennstrecke von Monza werden seit dem Eröffnungsrennen im September 1922 Rennen verschiedenster internationaler Rennserien ausgetragen. Bekannt wurde die Strecke weltweit durch die Formel 1 und den Großen Preis von Italien, der hier bis auf eine Ausnahme 1980, als wegen Umbauarbeiten in Imola gefahren wurde, ausgetragen wird.

Die Streckenlänge des modernen Monza-Kurses beträgt heute nur noch 5.793 km. Ursprünglich hatte die Strecke eine Gesamtlänge von 10 km und bestand aus einem Straßenkurs und einem Oval. Wurden beide Streckenvarianten zusammen befahren, fuhren die Wagen im Start und Zielbereich parallel nebeneinander her. Noch heute zeugt die überbreite Strecke im Bereich der Haupttribüne von dieser Besonderheit.
         
Seit Jahren vegetiert die Rennstrecke im Bereich des Ovals vor sich hin und Gerücht wonach dieser Teil des Kurses abgerissen werden soll, wollen bis heute nicht verstummen. Betrachtet man die überhöhten Kurven des Ovals, kann man sich leicht vorstellen, wie gefährlich es gewesen sein muss, hier mit einem Formel- oder Sportwagen mit Höchstgeschwindigkeit durch die Kurven zu rasen. Bei Regen war es fast unmöglich auf der überhöhten Betonpiste, die am oberen Streckenrand nur durch eine einfache Leitplanke gesichert war, zu fahren und viele Fahrer der damaligen Zeit sprechen noch heute mit Respekt über diesen Teil der Rennstrecke von Monza. Schwere Unfälle der immer schneller werdenden Rennfahrzeuge machten Rennen auf der Curve Sopraelevat (Steilkurve) zu gefährlich und man fuhr nach dem Grand Prix von 1961, bei dem Graf Berghe von Trips zu Tode kam, nur noch auf der Straßenkursvariante.
         
. In den folgenden Jahren wurden nur noch kleinere Rennen und historische Veranstaltungen auf dem Ovalkurs abgehalten. Auf der Gegengeraden zwischen der Nord- und Südkurve werden noch heute gelegentlich Reifentests absolviert und Boxenstopps trainiert.

         

Abseits der modernen Grand Prix Strecke geraten die in den Wäldern des Parco di Monza gelegenen Steilkurven mehr und mehr in Vergessenheit und auch der motorsportliche Ruhm ist längst verblasst. Wind und Wetter haben dem gewaltigen Betonbauwerk in den letzten Jahren stark zugesetzt. Der Verfall der einstigen Hochgeschwindigkeitsbahn ist überall deutlich sichtbar. Und doch, steht man am Fuße einer der beiden Steilkurven, fühlt man sich in eine längst vergangene Zeit des Motorsports zurück versetzt und man erwartet förmlich, dass im nächsten Moment Fangio und Co. an einem vorbeirauschen werden.
         
Text: M.Muhr

12.12.07

         

         

Circuit Reims-Gueux

         

         
Die Rennstrecke von Reims war von 1926 bis 1966 eine der bekanntesten Rennstrecken in Europa. Die Strecke bestand aus einem Dreieckskurs aus öffentlichen Straßen. Da der Kurs aus drei langen Geraden bestand, gehörte er mit Monza und Spa zu den schnellsten Rennstrecken der damaligen Zeit. Charakteristisch für die Strecke inmitten der Champagne waren atemberaubende Windschattenduelle, die nicht selten mit schweren Unfällen endeten.
         

Auch Todesopfer waren auf dem Circuit Reims-Gueux zu beklagen. Der bekannteste Rennfahrer der in Reims sein Leben ließ, war der italienische Ferrari-F1 Fahrer Luigi Musso, der während des Großen Preise von Frankreich 1958 bei einem Hochgeschwindigkeitsduell zu Tode stürzte. Ende der sechziger Jahre verlangten die Rennfahrer ob der hohen Geschwindigkeiten umfangreiche Umbauten und Sicherheitseinrichtungen. Da dies bei einer nicht permanenten Strecke kaum durchführbar und finanzierbar war und permanente Rennstrecken den Straßenkursen in Sicherheitsbelangen mehr und mehr den Rang abliefen, entschied sich der Automobile Club de Champagne, die Strecke nicht mehr für Autorennen zu nutzen.
Am 11 Juli 1972 fand als letzte Veranstaltung ein nationales Motorradrennen statt. Seitdem ist der Kurs offiziell geschlossen und verlassen und die Gebäude wurden den Elementen überlassen.
         
Fährt man heute die Route Nationale 31 von Reims nach Gueux, passiert man etwa nach einem Kilometer den alten Start und Zielbereich der ehemaligen Rennstrecke. Auf der linken Seite stehen in verschieden Stadien des Verfalls die Tribünen des einstigen GP-Kurses, an denen alte Reklamen von Esso ,BP und Shell verbleichen und abbröckeln. Auf der Rückseite der alten Haupttribüne kann man noch heute die Wegweiser zu den Sitzplätzen, den Toiletten und den Kartenverkaufsstellen erkennen. Auch Überreste des alten Haupteingangs sind dort noch zu finden.
         
Auf der gegenüberliegenden Seite der Tribünen steht der Boxenkomplex mit dem Start und Zielgebäude. Auch hier findet man überall alte verblichene Reklameanstriche, die in den letzten 40 Jahren fast bis zur Unkenntlichkeit verschwunden sind. Ein alter eiserner Anzeigenturm und Reste einer Betankungsanlage rosten hier still vor sich hin, denn auch hier haben die Elemente in den letzten 40 Jahren ihre Spuren hinterlassen.

         
Am Ende der Boxenanlage steht der Pavillon Andre Lambert, der früher die Zeitnahme beherbergte. Im Gegensatz zu den anderen Gebäuden, zeigt sich dieser Pavillon in frischer weißer Farbe mit leuchtender grüngelber BP-Reklame. Nicht dass die Naturgewalten das Zeitnehmerhaus verschont hätten, nein, das kleine Haus wurde von den in Gueux ansässigen Freunden des Circuit de Gueux (www.amis-du-circuit-de-gueux.fr) gestrichen und teilrestauriert. Der Club der Freunde der Rennstrecke will versuchen, auch die anderen Gebäude zu restaurieren und so den Verfall aufzuhalten. Da der Club die finanziellen Mittel nur mit Hilfe von Spenden und mit freiwilliger Unterstützung aufbringen kann, gestalten sich die Restaurationsarbeiten allerdings äußerst langsam.
         
Bilder vom Circuit Reims-Gueux finden Sie in unserer Galerie.
         
Text: M.Muhr

Foto: M.Muhr & T.Lülsdorf

28.06.07

         

         

AVUS Berlin

         

Animiert durch den Besuch beim Gordon-Bennett-Rennen im Taunus 1907 hatte Kaiser Wilhelm II. den Wunsch, auf der Strecke zwischen Potsdam und Berlin eine Automobil-Verkehrs- und Übungsstraße (Abkürzung AVUS) zu bauen. Die Strecke bestand aus zwei langen Geraden die durch zwei Kurven (Nord und Südkehre), miteinander verbunden waren und hatte eine Länge von 19,6 KM. 1926 fand auf der AVUS der erste Große Preis von Deutschland statt. 1927 bekam die Strecke in der Reichshauptstadt starke Konkurrenz durch den in der Eifel neu eröffneten Nürburgring. Dennoch wurden auf der AVUS auch weiterhin internationale Automobil- und Motorradrennen abgehalten.
         
1936 wurde die Nordkehre auf drängen von Adolf Hitler zur Steilkurve umgebaut. Nach dem Krieg geriet die Rennstrecke im Herzen von Berlin etwas in Vergessenheit, weil die Rennen der Neugeschaffenen Formel 1 Weltmeisterschaft auf dem Nürburgring abgehalten wurden. 1959 entschied sich der AvD (Automobilclub von Deutschland), aufgrund fehlender Zuschauer in der Eifel, wieder einen Grossen Preis von Deutschland auf der Berliner Rennstrecke durchzuführen.
         
Viele Rennfahrer kritisierten die Entscheidung, galt der Kurs doch als eine der schlechtesten Strecken der Welt. Bei diesem Rennen verunglückte der französische Ex-Ferrari-F1-Pilot Jean Behra in einem Sportwagen-Rahmenrennen, beim durchfahren der nassen Steilkurve, tödlich. 1967 wurde die Steilkurve wieder abgetragen und durch eine flache Version ersetzt um Platz für die Stadtautobahn zu schaffen. Erst 1971 wurde auf der mittlerweile verkürzten Stadtautobahn wieder Rennen gefahren. Die DTM bescherte der abermals verkürzten Strecke, sie war nun nur noch 2,64 Km lang, nochmals internationale Aufmerksamkeit.

         
Als es 1994 beim DTM-Rennen zu einer Reihe von Unfällen kam und das Rennen wegen eines Massencrash abgebrochen werden musste, kehrte auch die bekannte Tourenwagen-Meisterschaft nicht wieder nach Berlin zurück. Obwohl viele Fahrer die Strecke kritisierten und für eine Schließung plädierten, veranstaltete man nun einen Lauf zur STW-Meisterschaft auf der Stadtautobahn. Aber auch hier zeigten sich schnell die Gefahren der Hochgeschwindigkeitstrecke, als es während des STW-Rennens von 1995 zu einer verhängnisvollen Karambolage zwischen dem deutschen Frank Biela im Audi und dem britischen Rennfahrer Keith Odor im Nissan kam. Der Brite wurde bei diesem Unfall tödlich verletzt.
         

Danach wurde die AVUS für Motorsportveranstaltungen geschlossen. Fährt man heute über die Stadtautobahn in Richtung Innenstadt, kann man noch an den Dreifachleitplanken und Fangzäunen den Verlauf der Strecke erkennen. Auch die Tribüne und das Mercedes-Gebäude, in dem sich jetzt eine Autobahnraststätte befindet, entdeckt man beim Befahren der "AVUS". Das alte Gelände des Fahrerlagers dient heute LKW-Fahrern als Rast- und Ruhestätte und Wohnmobilfahrern als Übernachtungsmöglichkeit.
         
Text: M.Muhr

Foto: 1: unbekannt
2 & 3: M.Muhr

20.05.07

         

         

Solitude-Ring

         
Auf einer ca. 4 Km langen Strecke, die von Stuttgart zum Schloss Solitude hinauf führte, veranstaltete der Bad Cannstädter Fahrrad Club als erstes Rennen 1903 ein Bergrennen.
Erst im Jahre 1925 wurde dem ADAC Württemberg ein Rundkurs von ca.22 Kilometern genehmigt.
         


Altes Start- und Zielhaus

         


Ehemalige Boxenanlage

Die auf dieser Strecke bis 1930 ausgetragenen Rennen waren ein großer Publikumserfolg. 1931 wurde auf einer verkürzten Variante gefahren. Im Jahre 1935 entstand dann der 11,3 km lange Rundkurs, auf dem Motorrad-Rennen, Sportwagen-Rennen und Formel 1-Rennen ohne WM-Status bis 1965 ausgetragen wurden. Der neue Solitude-Ring hatte 26 Links- und 19 Rechtskurven und einen Höhenunterschied von 123 Metern.
         
Die Strecke zählte neben der Nürburgring- Nordschleife zu den anspruchvollsten Strecken der Welt und war sowohl bei den Fahrern als auch bei den Zuschauern äußerst beliebt und die Rennen wurden nicht selten von mehr als 250.000 Motorsportfans besucht. 1966 verweigerten die Behörden den Veranstaltern die Genehmigung zur Ausführung von Rennen.


Streckenteil im Bereich Gleiseck

         


Altes Rennplakat

Es sei nicht mehr Zeitgemäß, auf öffentlichen Straßen Motorsportveranstaltungen abzuhalten. Bemühungen auf dem Straßenkurs nochmals Rennen zu veranstalten scheiterten am Veto der Behörden. Durch Umbaumaßnahmen wurde die Strecke nach und nach zerstört und heute erinnern nur noch das alte Start- und Zielhaus und Teile der Boxenanlage an die einst ruhmreichen Zeiten des Solitude-Rings.
         
Text: M.Muhr

Foto: M.Muhr

19.04.07

         

         

Circuit Nivelles-Baulers

         

         
Als Anfang der siebziger Jahre die schweren Unfälle auf dem Ardennenkurs von Spa-Francorchamps überhand nahmen, verlegte man 1972 den Großen Preis von Belgien auf die 30 Kilometer südwestlich von Brüssel gelegne Rennstrecke von Nivelles. Die 1971 fertig gestellte Rennstrecke war im Bezug auf Sicherheit gründlich durchdacht. Der 3,724km lange Kurs hatte eine lange Start/Zielgerade die fast ausschließlich von Rechtskurven abgelöst wurden. Eine kurze Gegengerade mit einer Haarnadelkurve führte zurück auf die Zielgerade. Die großzügigen Auslaufzonen und die eher langweilige Streckenführung fanden nur wenig Zustimmung unter den Fahrern und der Kurs bot keine Alternative zur Fahrerstrecke von Spa. Auch die Zuschauer bemängelten auf dem "Pistolen-Kurs", dass sie auf Grund der großen Sicherheitszonen nicht nahe genug den Rennen beiwohnen konnten.
         
Nur zwei Jahre nach dem ersten Rennen mussten die Streckenbetreiber 1974 Konkurs anmelden und obwohl man 1976 noch mal versuchen wollte einen Grand Prix auszurichten, fand nach dem GP 1974 kein Formel 1 Rennen mehr auf dem Circiut-Nivelles statt. Allerdings wurden noch bis Mitte 1981 verschiedene Rennveranstaltungen auf dem Kurs abgehalten, aber als am 30. Juni 1981 die Lizenz zur Austragung von Rennveranstaltungen erlosch, war dass auch das gleichzeitig Aus der Rennstrecke.

         

Ende der 90ziger Jahre wurden die Boxengasse und das Start und Zielgebäude abgerissen und Teile der Strecke entfernt oder in den Neubau eines Industrie und Businesspark integriert. Doch auch trotz der Umbaumaßnahmen kann man noch heute Teilstücke der einstigen Rennstrecke erkennen.
         
Bilder zur Strecke von Nivelles finden sie in unserer Galerie "Ruhmreich, aber versgessen".
         
Text: M.Muhr

Foto: Sven Laevers

29.03.07

         

         

Nürburgring Südschleife

         

         
Wenn in diesem Jahr die altehrwürdige Nürburgring-Nordschleife ihren achtzigsten Geburtstag feiert und Fans des Asphaltbands rund um die Nürburg bei Namen wie Adenauer Forst, Kesselchen, Karussell, Hohe Acht oder Brünnchen in Verzückung geraten, erinnert sich wohl kaum einer der heutigen Rennbesucher daran, dass sich im Bereich der neuen Grand Prix-Strecke einst die 7,747 km lange Südschleife befand. Und auch wenn man Namen wie Bränkekopf, Seifgen, Bocksberg, Müllenbach, Rassrück oder Scharfer Kopf in die Runde wirft, werden viele der heutigen Motorsportfans nur mit dem Kopf schütteln. Noch heute zeugen die Überreste der 1975 aufgegebenen Rennstrecke von einer einst faszinierenden Motorsportstätte. Fährt man vom Start und Ziel-Bereich des neuen Grand-Prix-Kurses Richtung Müllenbach und folgt dabei der K72 kann man vom Bränkekopf bis zum Bocksberg noch heute der Streckenführung der alten Südschleife, die jetzt eine ganz normale Kreisstrasse ist, folgen. Hier findet man auch noch eine der Betonsäulen, die einst ein Streckentelefon beherbergten. Im Ortsbereich des kleinen Eifelorts Müllenbach, mit 153 m der tiefste Punkt der Strecke, musste der Streckenverlauf dem Neubau der K72 weichen.
         
Direkt hinter dem Ortsausgangsschild Müllenbach in Richtung Nürburg findet man aber noch heute den alten Streckenbelag der Südschleife im Bereich von Rassrück bis Scharfer Kopf, ca.1100 m. Die Rallye Köln-Ahrweiler plant diesen gut erhaltenen Streckenbereich immer noch mit in eine der Wertungsprüfungen ein. Von Besuchern der Großveranstaltungen auf der Grand-Prix-Strecke, die hier auf den angrenzenden Parkplätzen ihre Fahrzeuge parken, wird das alte Teerband meist nicht mehr beachtet.
Die Gegengerade zurück zu Start und Ziel ist nicht mehr erhalten, sie fiel dem Neubau der 1984 erbauten Grand-Prix-Strecke zum Opfer.
19 Rennfahrer und Touristen haben auf der Südschleife ihr Leben gelassen. Das 1961 auf der Südschleife stattfindende Eifelrennen wurde gleich von zwei Todesstürzen überschattet.

         
Bilder zur Südschleife finden Sie in unserer Galerie "Ruhmreich, aber vergessen".
         
Text: M.Muhr

01.03.07